Jahrelang hatte er im Schachklub gut mitgehalten. Er spielte nicht auf Turnierniveau, kannte seine Gegner aber genau und wusste, gegen wen er normalerweise gewinnen konnte. Doch mit 72 Jahren veränderte sich etwas: Er verlor zunehmend Partien gegen Spieler, die ihm früher kaum Schwierigkeiten bereitet hatten.
Auch außerhalb des Schachklubs bemerkte er Veränderungen. Namen, die ihm früher mühelos eingefallen waren, konnte er plötzlich nicht mehr abrufen. Manchmal betraf das Menschen, die er erst kürzlich kennengelernt hatte. Manchmal Namen, die er eigentlich seit Jahren kannte.
Im Herbst 1999 stellte sich der Mann in der orthopädischen Praxis von Dr. med. Thomas Lagodka in Bonn vor.
Ein aktives Leben – und plötzlich Probleme mit dem Gedächtnis
Der damals 72-Jährige hatte sein Unternehmen bereits erfolgreich an die nächste Generation übergeben. Er war weiterhin gesellschaftlich aktiv und besuchte regelmäßig seinen Schachklub.
Seine Frau war einige Jahre zuvor nach schwerer Krankheit verstorben. Während ihrer Erkrankung hatte er sie zu Hause gepflegt. Sie hatte ihn früher häufig unterstützt, wenn ihm Namen nicht sofort einfielen. Nun bemerkte er, wie sehr ihm diese Hilfe fehlte.
Besonders beunruhigte ihn jedoch die Veränderung beim Schachspielen.
Schach verlangt Konzentration, räumliches Vorstellungsvermögen, Erinnerungsfähigkeit und die Fähigkeit, mehrere mögliche Spielzüge vorauszudenken. Wer über Jahre regelmäßig spielt, entwickelt ein gutes Gefühl für seine eigene Leistungsfähigkeit.
Der Patient hatte den Eindruck, dass genau diese Fähigkeiten nachließen.
Was die orthopädische Untersuchung ergab
Bei der Untersuchung stellte Dr. Lagodka mehrere funktionelle Bewegungseinschränkungen im Bereich der Halswirbelsäule fest.
Aus manualmedizinischer Sicht waren insbesondere die Beweglichkeit und das Zusammenspiel einzelner Wirbelsäulenabschnitte auffällig. Im Rahmen der osteopathischen Untersuchung beschrieb Dr. Lagodka außerdem funktionelle Auffälligkeiten im Bereich des Schädels.
Die Halswirbelsäule ist eng mit der Kopfhaltung und der Verarbeitung von Bewegungsinformationen verbunden. In den Muskeln und Gelenken des Nackens befinden sich zahlreiche Rezeptoren, die dem Nervensystem Informationen über Stellung und Bewegung des Kopfes liefern.
Diese Signale sind unter anderem für die räumliche Orientierung und die Koordination von Kopf- und Augenbewegungen wichtig.
Ob die festgestellten Bewegungseinschränkungen etwas mit den Gedächtnisproblemen des Patienten zu tun hatten, ließ sich daraus allerdings nicht ableiten.
Drei Behandlungen – und ein unerwarteter Besuch vor Weihnachten
Dr. Lagodka behandelte den Patienten insgesamt dreimal. Dabei kamen chirotherapeutische Techniken an Hals- und Brustwirbelsäule zum Einsatz, begleitet von Akupunktur. Zusätzlich führte er osteopathische Behandlungen im Bereich des Schädels durch.
Nach diesen drei Sitzungen verging einige Zeit. Kurz vor Weihnachten erschien der Patient erneut in der Praxis. Diesmal hatte er keinen Behandlungstermin, sondern einen großen Präsentkorb dabei. Er wollte sich bedanken.
Nach seiner eigenen Aussage hatten ihm die damaligen Behandlungen sehr geholfen. Er berichtete von einer deutlichen Verbesserung seiner Beschwerden. Wie sich seine Gedächtnisleistung langfristig entwickelte, ist nicht bekannt. Der Patient stellte sich später nicht erneut vor.
Für Dr. Lagodka blieb die Begegnung dennoch in Erinnerung.
Gedächtnisprobleme im Alter: Was ist normal?
Dass Namen gelegentlich nicht sofort einfallen, kennen viele Menschen. Mit zunehmendem Alter kann es länger dauern, Informationen abzurufen oder sich neue Dinge einzuprägen. Ein spürbarer Leistungsabfall sollte jedoch nicht vorschnell als normale Alterserscheinung eingeordnet werden.
Gedächtnisprobleme können unterschiedliche Ursachen haben. Neben neurologischen Erkrankungen kommen beispielsweise Schlafstörungen, Depressionen, bestimmte Medikamente, Stoffwechselerkrankungen oder Vitaminmangel infrage.
Gerade wenn sich Veränderungen auf vertraute Tätigkeiten auswirken, ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll. Das gilt auch dann, wenn Betroffene im Alltag zunächst noch gut zurechtkommen. Im beschriebenen Fall war das Schachspielen ein besonders anschaulicher Hinweis darauf, dass der Patient eine Veränderung seiner geistigen Leistungsfähigkeit wahrnahm.
Welche Rolle kann die Halswirbelsäule spielen?
Beschwerden der Halswirbelsäule können sich unterschiedlich äußern. Typisch sind Nackenschmerzen, eingeschränkte Beweglichkeit oder muskuläre Verspannungen. Bei manchen Patienten treten begleitend Kopfschmerzen oder Schwindel auf. Die Muskulatur der oberen Halswirbelsäule besitzt eine hohe Dichte an Rezeptoren, die an der Wahrnehmung von Kopfhaltung und Bewegung beteiligt sind.
Für eine direkte Verbesserung des Gedächtnisses durch Chirotherapie oder kraniosakrale Osteopathie gibt es dagegen keine belastbare wissenschaftliche Grundlage. Auch die Annahme, eine eingeschränkte Bewegung einzelner Schädelknochen könne Gedächtnisstörungen verursachen, ist nicht wissenschaftlich gesichert.
Der damalige Behandlungsverlauf bleibt deshalb eine persönliche Beobachtung aus der Praxis.
Was sich daraus mitnehmen lässt: Unterschiedliche Beschwerden können gleichzeitig bestehen, ohne dieselbe Ursache zu haben. Eine sorgfältige Untersuchung hilft, mögliche Zusammenhänge einzuordnen und behandlungsbedürftige Erkrankungen zu erkennen.
Ungewöhnliche Beschwerden? Wir schauen genauer hin.
Manchmal lassen sich Beschwerden nicht sofort eindeutig zuordnen. Wenn neben anderen gesundheitlichen Veränderungen auch Nackenschmerzen, Bewegungseinschränkungen oder Beschwerden der Wirbelsäule auftreten, kann eine orthopädische Untersuchung sinnvoll sein.
Dr. med. Thomas Lagodka nimmt sich in seiner Praxis am Münsterplatz in Bonn Zeit, den Ursachen Ihrer Beschwerden nachzugehen und mögliche funktionelle Zusammenhänge zu untersuchen.


